Nachdem glücklicherweise das Wetter mitgespielt hatte und wir einige "Programmpunkte" unseres diesjährigen "Urlaub auf dem Bauernhof" abarbeiten konnten, kam ich nun zum Zuge und gönnte mir eine Auszeit beim Fliegenfischen an der Schwarzach. Nach einem gemütlichen Familienfrühstück ging es gegen 10°°Uhr los. Einen Tag zuvor hatte ich mir eine Gastkarte für den Schwarzach-Abschnitt 2 für sage und schreibe €6,- erworben und im Angelladen in Neunburg v. W. ganz nebenbei erfahren, dass es ab diesem Jahr keine reine Fliegenfischer-Strecke mehr gibt und dass sich die Raubfischschonzeit bis 01.07. nur auf den Eixendorfer Stausee bezieht. Somit wäre in der Schwarzach der Hecht offen. Hätte ich das früher gewusst, wäre natürlich auch die #9/10 Rute samt Groß-Streamer-Sortiment mit im Gepäck gewesen. Ich hatte aber nun mal nur die #5er Rute dabei und gab mich damit auch zufrieden.
Der Abschnitt, der mir für diesen Tag zur Befischung zur
Verfügung stand erstreckte sich von Kröblitz bis Jedesbacher Mühle. Somit
direkt angrenzend an den Abschnitt, den ich im September '05 unter die Lupe
genommen hatte.
Direkt hinter dem malerischen Ort Kröblitz bog ich von der Hauptstraße ab und
parkte meinen Wagen,...Watutensilien übergezogen, Rute startklar gemacht und ab
durchs Dickicht direkt ans Wasser. Durch die Pol-Brille konnte ich vor einem
Findling einen stattlichen Fisch entdecken, der aller Wahrscheinlichkeit der
Gattung Döbel zuzuordnen war. Knappe 50cm schätze ich ihn. Doch Streamer und
Nymphe ließen ihn kalt.
Ich bahnte mir den Weg weiter flussaufwärts, dort konnte ich weitere stattliche
Döbel beobachten. Ich verharrte regungslos in sicherer Deckung und meine Augen
scannten förmlich das klare Wasser nach Fischbewegungen ab.....und
tatsächlich, was ich dann beobachten konnte, ist mit Worten kaum zu
umschreiben. Ich versuche es trotzdem einmal: "Schulen von Kleinfisch zogen
nahe der Oberfläche ihre Bahnen, ein Schwarm Brassen kreuzte meinen Weg, aus
dem Nichts erschienen plötzlich Döbel um die 50cm, auf dem Gewässergrund
gründelten Barben der 50er und 60er Klasse und ließen ihre Goldflanke blitzen,
zwischendurch gesellten sich noch zwei Karpfen dazu,......" Das ganze
innerhalb vielleicht von 20 Minuten,....Wahnsinn was für eine Fischvielfalt auf
engstem Raum. Ein Versuch mit Nymphe weckte jedoch nur Interesse bei den
Kleinfischen, die aber nur sporadisch meiner Imitation folgten.
Da sich trotz erbitterter Versuche kein Fisch überzeugen ließ,
zog ich es vor die Stelle zu wechseln und parkte mein Auto unterhalb der
Jedesbacher Mühle an der nächsten Staustufe. Ein sanfter Blick ins Wasser
unterhalb des Stau's, ließen mich fast versteinern. Auf den ersten Blick
entdeckte ich zwei Mittelklasse-Hechte neben den Felsfindlingen stehen, denen
sich bei genauerem Hinsehen ein Dritter hinzugesellte. Was nun?.....Habe ja nur
die #5er Rute dabei,.....ich kramte tief in der Westentasche und fand noch ein
Stahlvorfach, das ich wohl bei einem Streifzug durchs Kinzigtal vor einiger Zeit
gefunden hatte. So, der erste Schritt ist getan. Nymphenvorfach runter, ein Meter
35er dran und am Ende das Stahlvorfach. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der
entsprechende Köder, doch der schlummert zuhause im Angelschuppen. Hatte ich
doch vor Urlaubsantritt meine Forellenstreamerbox von diversen Hechtstreamern
befreit, und somit blieb eigentlich nur noch eine Wahlmöglichkeit übrig:
Koppenstreamer.
Ich geb' schon zu, die Zusammenstellung sah schon recht Kurios aus, aber
zumindest einen Versuch wollte ich damit unternehmen. #5er Rute/Schnur, 40cm
Stahlvorfach, daran 4cm Koppenstreamer. Nun gut, ich visierte den erstbesten
Hecht an, der Streamer pulsiert langsam an dem Gesellen vorbei,.....nichts.
Nächster Versuch: Ich lasse den Streamer etwas Abseits vom Hecht aufsetzen und
zupfe ihn langsam heran....sehe wie er die Brustflossen streckt und nervös
die Schwanzflosse krümmt. In diesem Moment explodiert das Wasser und ich verspüre
einen einen kurzen Schlag in der Rute. Das war's,...zu knapp geschnappt. Beim
erneuten Anwerfen zog sich der Kamerad in den Felsen zurück. Auch die Anderen
waren momentan nicht mehr zu "aktivieren".
Die "Hechtburg"

Etwas weiter flußab konnte ich einige Forellen in einem Gumpen beobachten. Also
wieder "normales" Vorfach mit 14er Spitze dran und anpirschen. Mein
kleiner Streamer setzt sanft am Ende des Gumpens auf und eine Forelle nimmt
sofort die Verfolgung auf, dreht aber im letzten Moment ab. Nächster Versuch
mit gleichem Ausgang. Lediglich einen kleinen Barsch konnte ich von meinem
Streamer überzeugen. Ein Versuch mit Nymphe brachte auch nicht den erhofften
Erfolg auf die wählerischen Bachforellen. Ich lasse etwas Ruhe einkehren und
vertreibe mir die Zeit mit Beobachtungen. Ich entdecke in diesem Gumpen einen großen
Fisch, der sich von den Anderen (Döbel, Forellen,...) durch seine eher graue
Gestalt deutlich unterscheidet. Ein zweiter mit selben Aussehen, jedoch etwas
kleiner erspähe ich etwas später auch noch. Was mag das wohl sein? Ich
beobachte weiter und kann sie identifizieren. Es sind zwei Zander, die sich in
diesem Gumpen eingenistet haben. Zwischenzeitig sehe ich Steigaktivität
oberhalb von meinem Standort. Die kleine schwarze Trockenfliege im
"Palmer-Stil" setzt etwa einen Meter vor dem Fisch auf, der auch
sofort reagiert und die Fliege ohne Argwohn nimmt. Na,...es geht doch und nach
etwas Gegenwehr konnte eine etwa 38er Bachforelle am Fototermin teilnehmen. Der
Bann ist gebrochen und ich gehe den Tag jetzt schon viel entspannter an.

Jetzt hatte der Gumpen wieder mal eine Ruhephase verdient und ich bahnte mir den Weg zum Nächsten. Einen kleinen Hecht hatte ich wohl aufgeschreckt, denn der schoss wie ein Pfeil an mir vorbei. Im Augenwinkel sehe ich noch einen größeren Schatten in einer Felsspalte verschwinden. Ganz nach dem Motto: "Ich sehe Dich nicht, siehst Du mich auch nicht. "......kenne ich zur Genüge von meinem kleinsten Buben. Selbst ein direktes Heranwaten ließ den Döbel nicht aus der Ruhe bringen,.....und wie sollte es anders sein, Rute zwischen die Beine, die Hand leicht durch den Oberflächenfilm getaucht und.....Zack.....der nächste Fisch ist angelandet. Döbel mit knapp 50cm. Leider konnte ich davon kein Bild machen, da ich mitten im Wasser stand, die Rute zwischen den Beinen hatte und der Döbel noch bei vollen Kräften war. Habe den Kampf auch nach einigen Sekunden verloren, nachdem er Landluft geschnuppert hatte.
Die gesichteten Zander sitzen mir immer noch im Nacken und ich pirsche mich wieder etwas flussauf zum besagten Gumpen. Zwischen durch sehe ich noch eine Forelle steigen und setze zum Wurf an. Die dritte Drift der Trockenfliege bringt den erhofften Biss und ein schöner Drill zwischen Findlingen bahnte sich an und konnte mit einer erfolgreichen Landung der ca. 37cm Bachforelle abgeschlossen werden.


Dann am besagten "Zandergumpen" angekommen ging das Grübeln wieder los. Ich beobachtete erst mal die Aktivitäten der Beiden und stellte fest, dass der größere in gewissen Zeitabständen den gesamten Gumpen "abgrast", der kleinere jedoch regungslos in der Mitte am Grund ruht. Also nahm ich mir den Größeren vor. Als Dieser sich im unteren Drittel des Gumpen befand flog auch schon aus sicherer Entfernung ein frisch angeknüpfter Cone-Head-Koppenstreamer quer über den Gumpen und der Zander zeigte Interesse und folgte dem Streamer bis ans eigene Ufer, drehte jedoch kurz davor langsam ab. Ich wechselte den Koppenstreamer gegen ein Kleinfisch-Imitat aus. Und der Zander nimmt wieder die Verfolgung auf. Ruhe sei dem Gumpen gegönnt und ich beobachte......Die nächste Wahl trifft einen unbeschwerten Haar-Streamer. Nachdem der Streamer am anderen Ufer die Wasseroberfläche durchbrochen hatte, sich langsam bis zur Hälfte des Gumpens "durchgekämpft" hat, sehe ich einen Schatten, des sich immer mehr nähert und mit einem male mein Streamer in dessen Maul verschwindet. Erschrocken reiße ich die Rute hoch und sehe nur noch ein graues Maul links und rechts ausschlagen. Mein Streamer kommt mir entgegen.......Wieder Ruhe angesagt......ein etwa 3cm langer Streamer hatte dann aber endgültig zum Erfolg geführt. Der Drill gestaltete sich als extrem unspektakulär, aber das Drumherum war's, was hier den Puls höher schlagen ließ.


Danach widmete ich mich noch mal der "Hechtburg". Ich
konnte unter einer Felsspalte einen Hecht am "Entenschnabel" erkennen
und rüstete wieder mal um. Dieser folgt auch sogleich meinem Koppenstreamer und
stupst ihn leider nur zaghaft an. Somit 1:0 für Hecht.
Ich spaziere noch etwas oberhalb des Stau's entlang und konnte noch bestimmt
drei weitere Hechte entdecken, die aber auf meine "Klein-Streamer"
nicht einsteigen wollten.
Fisch gibt es genug, gesehen habe ich viele. Jedoch heikel sind sie schon, zumindest mit dem Fliegengeschirr.....,und deshalb mag ich so gerne:
"Familien-Urlaub auf dem Bauernhof"
Fazit: sehr schöne Gewässerstrecke, ruhige
Passagen wechseln sich mit Schnelleren ab. Gut sichtiges Wasser, ....bewatbar, breitgefächertes Fischvorkommen. Gesichtete Fischarten: Hecht, Zander ,
Barsch, Brassen, Döbel, Bachforellen, Barben, Karpfen und noch einiges mehr.
Tagesausbeute: 1 Barsch auf Streamer, 2 Bachforellen
auf Trockenfliege, 1 Zander auf Streamer,.....mehrere Hechtattacken,
Döbel mit der Hand,.....einfach nur schön. Dieser Tag hat sich gelohnt.
Tageskarten und Wochenkarten für alle Schwarzachabschnitte, den Eixendorfer Stausee und andere gibt es bei:
ANGELIKA'S Anglerparadies
Dörrerstraße 2
92431 Neunburg vorm Wald
Tel./Fax: 09672/5146
Preis: €6,- für Schwarzach II (ca. 5km Strecke, alle Köder erlaubt). Strecke Kröblitz-Jedesbach
Gewässerkarte:
